GIS-Training zur Stärkung von Public-Health-Einsätzen

Geodatenanalysen sind von zentraler Bedeutung im Public-Health-Sektor, zum Beispiel bei Notfalleinsätzen und Krankheitsausbrüchen. Mit einer Pilot-GIS-Schulung haben wir gezeigt, wie Gesundheitsfachkräfte und Informationsmanager gemeinsam komplexe Daten in wirksame Entscheidungsgrundlagen überführen können.

Die Rolle von GIS für Public Health

Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit basieren im Kern auf der Planung effizienter Prozesse, die möglichst viele Menschen mit einem angemessenen Versorgungsniveau erreichen. Da Menschen in der Regel zu Gesundheitseinrichtungen reisen müssen, sind Fragen des Zugangs, der Erreichbarkeit und der Gerechtigkeit grundsätzlich räumlicher Natur. Dies gilt nicht nur für Notfallmaßnahmen bei Krankheitsausbrüchen, sondern auch für langfristige Aktivitäten wie die Planung mobiler Kliniken, Impfprogramme, Geburtshilfe und andere lokale Gesundheitsmaßnahmen.

Bei der Reaktion auf Ausbrüche wird diese räumliche Dimension noch wichtiger. Entscheidungspersonen müssen sehr schnell verstehen, was wo geschieht, wie sich ein Ausbruch ausbreitet und welche Gebiete als Nächstes gefährdet sind. Die Planung der Maßnahmen – etwa wo Interventionen priorisiert werden sollen, wie Ressourcen zu verteilen sind oder welche Bevölkerungsgruppen vom Zugang zur Versorgung abgeschnitten sein könnten – ist daher ebenfalls ein räumliches Problem. GIS stellt die Werkzeuge bereit, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen, und ermöglicht es Fachkräften, über statische Karten hinauszugehen und dynamische Analysen durchzuführen, die die Prozesse direkt unterstützen.

Eine GIS-Schulung um die Lücke zwischen Datenanalyse und Gesundheitsexpertise zu schließen

Im Dezember 2025 führten wir eine auf Public Health ausgerichtete GIS-Schulung durch. Hauptziel war es, Gesundheitsfachkräfte mit GIS-Technologie vertraut zu machen und die Lücke zwischen Informationsmanagement und Gesundheitsexpertise zu schließen.

Die Teilnehmendengruppe umfasste bewusst sowohl Gesundheitsfachkräfte als auch Informationsmanager, da eines der Ziele die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen diesen Rollen war.

Mehrere Personen sitzen an Tischen mit Laptops in einem hellen Raum, während eine Person vorne an einem Whiteboard steht und auf einen Bildschirm zeigt.

Über vier Tage hinweg bauten Teilnehmende vom Französischen Roten Kreuz, Kolumbianischen Roten Kreuz, Deutschen Roten Kreuz sowie vom Robert Koch-Institut mit Unterstützung von zwei GIS-Experten von HeiGIT praxisnahe GIS-Fähigkeiten für die öffentliche Gesundheit und die Ausbruchsbekämpfung auf.

Die Schulung war in zwei Teile gegliedert:

  • Zwei Tage begleitete GIS-Schulung, in denen grundlegende GIS-Konzepte, Datensätze und analytische Arbeitsabläufe vermittelt wurden. Anhand einem Masernausbruch im Tschad als Fallstudie lernte die Gruppe, nicht-räumliche Meldedaten mit administrativen Grenzen zu verknüpfen, Ausbruchstrends zu visualisieren und Einzugsgebiete für spezifische Einrichtungen zu berechnen.
  • Zwei Tage Tabletop-Szenarioübungen, in denen ein Choleraausbruch simuliert wurde. Die Teilnehmenden erhielten ein realistisches Ausbruchsszenario, Datensätze und fortlaufende Lageupdates. Ihre Aufgabe war es, die Situation zu analysieren und unter Zeitdruck sowie bei sich verändernder Lage eine Lageeinschätzung für humanitäre Koordinator*innen zu erstellen.

Die Teilnehmenden arbeiteten mit wichtigen realen humanitären und Public-Health-Datensätzen, darunter OpenStreetMap, WorldPop und HDX, und lernten, diese Quellen kritisch zu bewerten und zu kombinieren.

Ein starker Schwerpunkt lag auf Erreichbarkeitsanalysen, beispielsweise darauf, wie Bevölkerungsdaten, Straßennetze und Reisezeiten kombiniert werden können, um den Zugang zu Gesundheitsversorgung zu bewerten.

Zwei Personen stehen vor einem großen Bildschirm mit einer Präsentation, im Vordergrund sind Tische mit roten Ordnern und Laptops zu sehen.

Bessere Einsatzbereitschaft durch rollenübergreifende Zusammenarbeit

Dieses Training verbesserte die Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Informationsmanagement-Personal. Das Gesundheitsfachpersonal erhielt ein klareres Verständnis davon, was eine vertiefte GIS-Analyse umfasst und warum eine enge Zusammenarbeit mit Kolleginnen aus dem Informationsmanagement unerlässlich ist. Gleichzeitig entwickelten Informationsmanager ein deutlich besseres Verständnis dafür, welche Informationen während einer Ausbruchsreaktion operativ kritisch sind und wie wichtig Timing, Klarheit und Relevanz sind.

Es war inspirierend, die Synergie zwischen Gesundheitsfachkräften, die gerade das Potenzial von GIS entdeckt hatten, und Informationsmanagement-Expert*innen, die mit den Methoden vertraut sind, zu beobachten. Während der Szenarioübungen wurde sehr deutlich, dass sie, wenn zusammenarbeiten, in sehr kurzer Zeit beeindruckend hochwertige Ergebnisse erzielen können.

Viele Gesundheitsspezialist*innen berichteten, dass sie nun besser verstehen, welches Kompetenzniveau für GIS-Analysen erforderlich ist und welchen Mehrwert diese bringen, sowie welche Anfragen während einer Operation realistisch sind. Umgekehrt hoben Teilnehmende aus dem Informationsmanagement ein stärkeres Verständnis der Prioritäten im Gesundheitssektor hervor, das ihnen hilft, Analysen gezielter an operative Bedarfe anzupassen. Dies unterstreicht den Wert gemeinsamer, interdisziplinärer Schulungen gegenüber einer rein rollenspezifischen Kompetenzentwicklung.

Nächste Schritte & Trainingsmaterialien

Als Pilot konzipiert, wird dieses Training die Gestaltung zukünftiger Schulungen in diesem Bereich unterstützen. Wir planen, künftig weitere GIS-Schulungen zu organisieren – mit einer verbesserten Struktur auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse und unter Einbeziehung von Online-Formaten.

In der Zwischenzeit sind die während der ersten beiden Kurstage verwendeten Schulungsmaterialien bereits öffentlich auf der IFRC Network GIS Training Platform verfügbar:

Der vollständige Datensatz und die Storyline für das in der Tabletop-Übung verwendete Cholera-Ausbruchsszenario werden in Kürze veröffentlicht.