neuer globaler Datensatz zeigt Lücken beim Zugang zu Bildungseinrichtungen und der Gesundheitsversorgung auf
Zahlen allein erzählen selten die ganze Geschichte – etwa darüber, ob ein Kind zur Schule geht oder ein Kranker rechtzeitig ein Krankenhaus erreicht. Karten machen ebendiese Unterschiede sichtbar. Das Ergebnis ist ernüchternd: Weltweit hängt die Erreichbarkeit von Schulen und Gesundheitsversorgung stark von der Qualität der Infrastruktur und den zurückzulegenden Entfernungen ab. Für viele Menschen bleiben grundlegende Rechte deshalb außer Reichweite.
Um diese räumlichen Unterschiede sichtbar zu machen, haben Forschende am HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology) die offene Datensatzplattform OpenAccessLens entwickelt. Sie zeigt auf globaler Ebene, wie weit Menschen von der nächstgelegenen Schule oder dem nächsten Krankenhaus entfernt sind – gemessen in Reisezeit oder Distanz.
Ungleichheiten auf einen Blick
Trotz internationaler Fortschritte bleiben erhebliche Unterschiede im physischen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen bestehen. Nationale Durchschnittswerte verdecken dabei oft deutliche regionale Abweichungen sowie altersbezogene Unterschiede in der Erreichbarkeit. In vielen Regionen können Kinder keine Schule besuchen oder Menschen nur eingeschränkt medizinische Versorgung erhalten, weil Einrichtungen zu weit entfernt liegen.
In Ländern mit lückenhafter Infrastruktur und häufigen klimabedingten Katastrophen wird jeder zusätzliche Kilometer schnell zur Hürde für den Schulbesuch. In Pakistan zeigen die Daten beispielsweise: Weniger als 40 Prozent der Schulen liegen in einer Entfernung von fünf Kilometern.

Auch im Gesundheitsbereich werden Unterschiede deutlich. Während in Deutschland ein Krankenhaus nahezu flächendeckend innerhalb von 30 Minuten erreichbar ist, können in Sierra Leone nur rund 60 Prozent der Bevölkerung innerhalb dieses Zeitraums eine Klinik erreichen. Besonders in ländlichen Regionen vieler Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bestehen große Entfernungen zu medizinischen Einrichtungen.
Datengrundlage für gezielte Planung
OpenAccessLens übersetzt räumliche Erreichbarkeitsanalysen in differenzierte Indikatoren und stellt damit die Grundlage für Planung und Entscheidungsprozesse bereit. Die Plattform zeigt, wo Versorgungslücken bestehen und wie viele Menschen betroffen sind. Für die Bildungsplanung können so beispielsweise Regionen identifiziert werden, in denen viele schulpflichtige Kinder in großer Entfernung zur nächsten Schule leben. Im Gesundheitsbereich lassen sich Gebiete mit eingeschränkter Erreichbarkeit bestimmen, um gezielte Maßnahmen wie mobile Versorgungsangebote zu planen.
„Aufbauend auf unserer früheren Zusammenarbeit mit UNICEF unterstützt die Plattform eine gerechtere Planung und hilft dabei, Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen für Gesundheit und Bildung (SDG 3 und 4) zu überwachen“, sagt der Datenwissenschaftler Marcel Maurer vom HeiGIT.
OpenAccessLens kombiniert Reisezeit- und Distanzanalysen mit Bevölkerungsdaten von WorldPop und basiert auf offenen Technologien, insbesondere openrouteservice und OpenStreetMap. Als offener Datensatz kann seine Qualität durch Beiträge der Community kontinuierlich verbessert werden.
Der vollständige Datensatz ist frei verfügbar und kann länderweise über die Humanitarian Data Exchange (HDX) heruntergeladen werden, die vom Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) betrieben wird.
Das HeiGIT wird von der Klaus Tschira Stiftung getragen, mit dem Ziel freie Geodaten und Technologien der Geoinformatik für den Klimaschutz und die humanitäre Hilfe bereitzustellen.
Ansprechpartner für den Datensatz
Marcel Maurer
E-Mail: marcel.maurer@heigit.org



