Die EGU-Generalversammlung ist die wichtigste jährliche Konferenz für die geowissenschaftliche Gemeinschaft. Sie bringt Forscher*innen aus aller Welt zusammen, um neue Entwicklungen in den Erd-, Planeten- und Umweltwissenschaften auszutauschen und zu diskutieren. In diesem Jahr findet die Konferenz vom 3. bis 8. Mai 2026 in Wien, Österreich, statt. Unsere Kollegen werden einen Vortrag darüber halten, wie Emissionen aus der Wohnraumbewirtschaftung und sozioökonomische Faktoren in ganz Deutschland zusammenhängen, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, was dies für eine gerechte städtische Klimapolitik bedeutet. Außerdem werden sie ein Poster zum Climate Action Navigator präsentieren, einer Open-Science-Plattform, die dabei hilft, Treibhausgasemissionen aus der Wohnraumbewirtschaftung sehr detailliert zu schätzen und zu simulieren.
Vortrag: Feinskalige Kovariation von Emissionen aus der Wohnraumheizung und sozioökonomischen Variablen in Deutschland: Implikationen für die urbane Klimapolitik
Dienstag, 05. Mai, 10:45–10:55 (MESZ) Raum D3
Sprecher: Sebastian Block, Veit Ulrich, Gefei Kong, Maria Martin und Kirsten von Elverfeldt
Die Beheizung von Wohngebäuden ist eine bedeutende Quelle von Treibhausgasemissionen und ein zentraler Ansatzpunkt für Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels in Städten. Eine effektive Planung von Dekarbonisierungsstrategien wird jedoch durch das Fehlen hochaufgelöster Emissionsschätzungen auf unterstädtischer Ebene erschwert. Derart räumlich differenzierte Daten sind entscheidend, um zu analysieren, wie Emissionsmuster mit wichtigen sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Merkmalen innerhalb von Städten zusammenhängen. Dies ist notwendig, um gezielte und gerechte politische Maßnahmen zu entwickeln.
Wir verwenden hochauflösende Bevölkerungs- und Gebäudedaten aus dem deutschen Zensus 2022, um Kohlendioxidemissionen aus Wohngebäuden in ganz Deutschland zu schätzen. Anschließend untersuchen wir, wie diese Emissionsmuster mit sozioökonomischen und demografischen Variablen zusammenhängen, die für die Politikgestaltung relevant sind.
Unsere Analyse zeigt eine erhebliche räumliche Heterogenität der Pro-Kopf-Emissionen innerhalb von Städten. Wir stellen fest, dass Gebiete mit höheren Wohneigentumsquoten erhöhte Pro-Kopf-Emissionen aufweisen, was darauf hindeutet, dass diese Viertel vorrangige Zielgebiete für Sanierungsanreize für Hauseigentümer darstellen. Darüber hinaus beobachten wir höhere Pro-Kopf-Emissionen in Gebieten mit einem größeren Anteil älterer Bewohner (>66 Jahre), die typischerweise mehr Energie für das Heizen verbrauchen. Dieses Muster deutet darauf hin, dass Gebäude mit hohen Emissionen (größere, ältere Gebäude, die mit CO₂-intensiven Energieträgern beheizt werden) räumlich häufig mit Bevölkerungsgruppen zusammenfallen, die ein intensiveres Heizverhalten aufweisen, was die Emissionen zusätzlich verstärken kann.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung, städtische CO₂-Emissionsmuster auf feinen räumlichen Skalen zu analysieren und ihre räumliche Korrelation mit relevanten sozioökonomischen und demografischen Merkmalen zu untersuchen. Unsere Analyse zeigt substädtische Emissionsmuster mit klaren Implikationen für die Politikgestaltung. Effektive Dekarbonisierungsstrategien müssen diese räumlichen Muster berücksichtigen, um Maßnahmen zu planen, die sowohl die Gebäudeinfrastruktur als auch die Eigenschaften der Bewohner einbeziehen und so eine effiziente Ressourcennutzung sowie eine gerechte Klimapolitik in vielfältigen urbanen Räumen gewährleisten.
Poster: Hochauflösende direkte THG-Emissionsschätzung und Simulation aus der Raumheizung im Wohnbereich unter Verwendung offener Daten
Ausstellungszeit: Fr., 8. Mai, 14:00–18:00, X5.90
Präsentierende: Kirsten v. Elverfeldt, Gefei Kong, Veit Ulrich, Maria Martin, Moritz Schott und Sebastian Block
Die Raumheizung in Wohngebäuden bleibt eine der größten Quellen von Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor. In Deutschland macht sie den größten Anteil des Energieverbrauchs privater Haushalte aus, und eine präzise Quantifizierung der damit verbundenen Emissionen ist entscheidend, um nationale Klimaziele zu erreichen.
Die meiste Forschung zu Emissionen aus der Wohnraumheizung konzentriert sich auf regionale oder nationale Ebenen, während Schätzungen auf feineren räumlichen Skalen weiterhin begrenzt sind. Zudem schränkt die Datenverfügbarkeit die Übertragbarkeit und Nutzbarkeit bestehender Modelle ein. Daher werden dringend Ansätze benötigt, die räumlich und zeitlich hochaufgelöste Emissionsschätzungen sowie interaktive Werkzeuge zur Unterstützung von Analyse- und Entscheidungsprozessen für verschiedene Akteure bereitstellen.
Wir stellen den Climate Action Navigator (CAN) vor, ein Dashboard zur Analyse und Visualisierung räumlicher Daten für Klimaschutz und -anpassung, das vollständig auf Open-Science-Prinzipien basiert. Eines der im CAN verfügbaren Werkzeuge schätzt Kohlendioxidemissionen aus der Wohnraumheizung mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung. Das Tool verwendet einen Bottom-up-Ansatz mit einer räumlichen Auflösung von 100 Metern, basierend auf öffentlich zugänglichen Zensus- und Gebäudedaten in Deutschland, einschließlich Baualter und dominanter Energieträger. Die resultierenden Emissionsschätzungen stimmen mit offiziellen Inventaren auf Stadt- und nationaler Ebene überein, was die methodische Zuverlässigkeit bestätigt. Deutschlandweite Analysen zeigen eine ausgeprägte räumliche Heterogenität im Energieverbrauch und in den Emissionen, die mit stadtmorphologischen Merkmalen korreliert.
Zeitliche Dynamiken werden durch eine stündliche Simulation mithilfe des Demand-Ninja-Modells auf Basis lokaler Wetterdaten abgebildet. Die daraus resultierenden zeitlichen Emissionsmuster können Anwendungen der inversen Emissionsmodellierung unterstützen sowie das Energiemanagement verbessern, indem sie beispielsweise Spitzenzeiten und -orte des Heizbedarfs sichtbar machen.
Die Ergebnisse werden über die CAN-Oberfläche in Form intuitiver, interaktiver Karten und Diagramme bereitgestellt, die es Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, Stadtteile zu vergleichen, zeitliche Emissionsverläufe zu erkunden und potenzielle Minderungsmaßnahmen zu bewerten. Durch die Integration von Open-Source-Daten mit hochauflösender Modellierung und Visualisierung schließt der Climate Action Navigator die Lücke zwischen wissenschaftlicher Emissionsquantifizierung und praktischer Entscheidungsfindung. Der Ansatz unterstützt eine transparente Zuordnung und Nachverfolgung von Emissionen aus der Wohnraumheizung und fördert damit eine evidenzbasierte Planung von Klimaschutzmaßnahmen.