Die FOSSGIS-Konferenz 2026 ist die wichtigste jährliche Veranstaltung für die deutschsprachige Open-Geospatial-Community. Sie bringt Anwender, Entwickler, Forscher und Praktiker zusammen, um Ideen, Erfahrungen und die neuesten Entwicklungen im Bereich Freie und Open-Source-Software für GIS und Open Data auszutauschen. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen reale Anwendungsfälle und die Zukunft offener Geotechnologien. Zu den Themen gehören Webmapping, Geodateninfrastrukturen, Geodatenmanagement, Geoprocessing, Geodatenanalysen und -modellierungen und Desktop-GIS und um freie Geodaten, wie OpenStreetMap. Themen wie Digitale Souveränität im Zusammenhang mit Open Source werden ebenso behandelt, wie Open Science und die FAIR Prinzipien.
Routing to Go: openrouteservice in QField
Donnerstag, 26. März, 09:05, HS4 (ZHG 008)
Referenten: Julian Psotta and Till Frankenbach
Routing direkt im Feld: ORStools und QField bringen openrouteservice auf mobile Geräte – ein Ausblick.
Das ORStools-Plugin für QGIS existiert seit über sieben Jahren und ist eine etablierte Möglichkeit, direkt aus QGIS auf openrouteservice zuzugreifen. Es verbindet sich mit der openrouteservice-API, um Routing, Isochronen, Matrixberechnungen und weitere geodatenbezogene Dienste bereitzustellen.
Seit Juni dieses Jahres ist die grundlegende Routing-Funktionalität auch in QField über ein eigenes Plugin verfügbar, wodurch unterwegs Routenberechnungen für verschiedene Profile möglich sind.
Dieser Vortrag zeigt die aktuellen Möglichkeiten des QField-Plugins: vom frisch installierten QField bis zur Erstellung einer Fußgängerroute – und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Smarte Wege im Chaos: Echtzeit-Mobilitätsanalysen für Katastropheneinsätze
Freitag, 27. März, 11:10, HS3 (ZHG 009)
Referent: Julian Psotta
Unser Ansatz kombiniert OpenStreetMap, Echtzeitdaten aus Feldmissionen einer internationalen Hilfsorganisation, aktuelle Überflutungsdaten von GloFAS und zusätzliche Straßeninformationen aus ML-Methoden in Routinggraphen des Openrouteservice. So können Hilfsorganisationen ihre Mobilitätsanalysen in Krisensituationen nahezu in Echtzeit anpassen oder Szenarien simulieren, ohne Einbußen bei Performanz oder Skalierbarkeit. Alle Komponenten sind Open Source und Open Data.
In Katastrophen- und Krisensituationen ändern sich Rahmenbedingungen oft innerhalb von Stunden: Zerstörte Brücken, überflutete Straßen oder neue Sicherheitsrisiken beeinflussen unmittelbar die Effizienz und Sicherheit von Hilfseinsätzen. Herkömmliche Routingansätze, auch auf Basis regelmäßig aktualisierter OpenStreetMap-Daten, konnten bisher auf solche dynamischen Veränderungen nicht schnell genug reagieren. Wenn etwa über Nacht eine Brücke einstürzt oder eine zuvor sichere Route unpassierbar wird, fehlen oft Mechanismen, um aktuelle Informationen aus dem Feldeinsatz von Hilfsorganisationen und lokalen Gemeinschaften unmittelbar in die Routing- und Analyseentscheidung einfließen zu lassen.
Unser Ansatz schließt diese Lücke, indem er Echtzeitdaten aus Feldmissionen direkt in die Routinganalyse integriert. In Kooperation mit einer internationalen Hilfsorganisation wurde ein System entwickelt, das dessen Informationen zu priorisierten Routen und zur Passierbarkeit von Brücken, Straßen und Grenzübergängen und dem Einfluss von Überflutungen weltweit in nahezu Echtzeit verarbeitet. Diese Daten werden zunächst in eine zentrale Datenbank synchronisiert, mit den zugrundeliegenden Routinggraphen abgeglichen („Matching“) und die resultierenden Gewichtungen gespeichert. Laufende Openrouteservice-Instanzen greifen anschließend auf diese aktualisierten Gewichtungen zu und passen ihre Routenberechnung dynamisch an die aktuelle Lage an. Der Nutzer ist anschließend in der Lage, die neuen Missionsdaten nach eigenem Belieben zu gewichten. Und das alles ohne Einbußen bei Performanz oder Skalierbarkeit. Auch großflächige Graphen können effizient aktualisiert werden, sodass der Ansatz weltweit einsetzbar bleibt.
OpenStreetMap-Daten als Grundlage für Routing – wie gut funktioniert das wirklich?
Freitag, 27. März, 10:10, HS3 (ZHG 009)
Referenten: Benjamin Herfort and Benjamin Würzler
Das HeiGIT und das BKG untersuchen, wie die Qualität von OSM-Daten Routingentscheidungen beeinflusst. Mit der ohsome quality API werden Vollständigkeit, Attributgenauigkeit und Aktualität der Daten analysiert und mit Routingvergleichen zwischen Openrouteservice, Google Maps, Bing Maps und Apple Maps verknüpft. Die Ergebnisse zeigen robuste OSM-Leistungen und liefern praxisrelevante Erkenntnisse zur Nutzung und Bewertung von OSM-Daten für Routing.
„Kann man mit OSM-Daten überhaupt vernünftig routen?“
„Wie stark beeinflusst die OSM-Datenqualität das Ergebnis?“
„Und wie schneiden OSM-basierte Routingdienste im Vergleich zu GoogleMaps ab?“
Solche Fragen begegnen uns immer wieder, wenn wir über OSM-basierte Routingdienste wie den Openrouteservice (ORS) sprechen, und versuchen, neue Anwenderinnen und Anwender von deren Nutzung zu überzeugen. Häufig sind es auch Fragen, die sich nicht schnell oder allgemeingültig beantworten lassen. Das Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) untersuchen deshalb, wie sich die OSM-Datenqualität tatsächlich auf Routingentscheidungen auswirkt und welchen Einfluss Vollständigkeit, Attributgenauigkeit und Aktualität haben.
Im Rahmen der Untersuchung kommen dabei die Open Source Werkzeuge der ohsome quality API zum Einsatz, um verschiedene extrinsische und intrinsische Qualitätsindikatoren der routingrelevanten OSM-Daten unterschiedlicher Länder abzuleiten. Dabei wird die Vollständigkeit in Bezug auf Geometrien und Attribute, aber auch die Aktualität der vorhandenen Datensätze betrachtet und Ergebnisse miteinander verglichen.
Darüber hinaus führen wir Routingvergleiche zwischen dem Openrouteservice und kommerziellen Anbietern wie Google Maps, Bing Maps und Apple Maps durch, setzen die Unterschiede in Beziehung zu den zuvor ermittelten Qualitätsindikatoren und gewinnen spannende Einblicke. Schon zwischen den kommerziellen Diensten bestehen teils deutliche Abweichungen und OSM-basierte Ansätze liefern überraschend robuste, aber auch aufschlussreiche Ergebnisse. Besonders interessant sind dabei Aspekte wie realistische Fahrzeitabschätzungen ohne Echtzeitdaten oder die Bedeutung aktueller Datensätze für Routingentscheidungen.
In unserem Vortrag präsentieren wir euch die Ergebnisse, gewonnene Erkenntnisse und offene Fragen aus dieser Untersuchung. Wir diskutieren, welche Schlüsse sich daraus für den praktischen Einsatz von OSM-Daten für Routing ziehen lassen und zeigen, wie die ohsome quality API als frei verfügbares Werkzeug helfen kann, Datenqualität besser zu verstehen.
Weitere Informationen finden Sie hier.