Können deutsche Städte die Klimaziele noch erreichen? Ein Blick auf Emissionstrends und CO₂-Budgets

Deutschland hat seine Treibhausgasemissionen seit ihrem Höhepunkt im Jahr 1979 bereits erheblich reduziert. Dennoch stehen viele Städte kurz davor, ihre verbleibenden CO₂-Budgets aufzubrauchen. Können wir die Klimaziele noch erreichen? Das CO₂-Budget-Modul vom Climate Action Navigator hilft dabei, die lokale Verantwortung und zukünftige Handlungsoptionen zu bewerten.

Das im Jahr 2015 verabschiedete Pariser Klimaabkommen dient als zentrale Referenz zur Berechnung von Klimazielen. In diesem Abkommen haben sich viele Länder verpflichtet, die globale Erwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Werten deutlich unter 2 °C zu begrenzen und bestrebt zu sein, diese auf 1,5 °C zu beschränken.

Um diese Ziele zu erreichen, kann es sehr hilfreich sein, Ziele auf lokaler Ebene zu definieren und dabei die Rolle jedes Landes oder sogar jeder Stadt bei der Emissionsreduzierung zu betonen. Dies ist genau das Ziel von CO₂ Budgets, ein Werkzeug im Climate Action Navigator: zu zeigen, wie viel CO₂ eine Stadt seit dem Pariser Klimaabkommen bereits ausgestoßen hat und wie viel sie noch ausstoßen darf, bevor ein bestimmtes Klimaziel überschritten wird.

Um diese Budgets besser einordnen zu können, sind einige zusätzliche Kontextinformationen hilfreich: Um besser zu verstehen, wo wir heute stehen, betrachten wir zunächst die Emissionstrends mehrerer deutscher Städte in den letzten Jahrzehnten. Anschließend berechnen wir die noch verbleibenden CO₂-Budgets und werfen einen Blick auf zukünftige Trends.

Emissionstrends in deutschen Städten seit 1990

Ein längerfristiger Blick auf die CO₂-Emissionen zeigt in Deutschland erhebliche Fortschritte. Die gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands erreichten 1979 mit 1,35 Milliarden Tonnen ihren Höhepunkt und sanken bis 2024 auf 660 Millionen Tonnen: eine Reduktion von über 50 Prozent über einen Zeitraum von 45 Jahren.

Dieser abwärts gerichtete Trend ist auch auf städtischer Ebene sichtbar. Seit 1990 sind die Emissionen in allen deutschen Städten, für die der Climate Action Navigator Daten liefert, gesunken. In Hamburg beispielsweise sanken die Emissionen von 12 Tonnen pro Kopf im Jahr 1990 auf 7 Tonnen pro Kopf im Jahr 2022. Ähnliche Reduktionen sind auch in den weiteren analysierten Städten feststellbar: Berlin, Bonn und Heidelberg.

Diese Zahlen belegen, dass strukturelle Emissionsreduktionen erreichbar sind und bereits über mehrere Jahrzehnte hinweg realisiert wurden.

Balkendiagramm zeigt CO2-Emissionen pro Kopf in Tonnen für Berlin, Bonn, Hamburg und Heidelberg in den Jahren 1990 und 2022 mit jeweils zwei farblich unterscheidbaren Balken pro Stadt.
Pro-Kopf-CO₂-Emissionen im Jahr 1990 (1987 für Heidelberg) und 2022 (dem letzten Jahr, für das Daten für alle Städte vorliegen)

Verbleibende CO₂-Budgets: Wie viel können unsere Städte noch emittieren?

Trotz historischer Reduktionen sind die verbleibenden CO₂-Budgets sehr begrenzt. Ein CO₂-Budget zeigt, wie viel CO₂ eine bestimmte Stadt noch emittieren kann, während sie ihren Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung leistet.

Beispielsweise zeigen die gemeldeten und prognostizierten Emissionen der Stadt Hamburg, dass das Budget für das 1,5-Grad-Ziel bereits überschritten wurde, das Budget für das 1,7-Grad-Ziel fast aufgebraucht ist und dass das Budget für das 2-Grad-Ziel ebenfalls gefährdet ist, falls die Emissionsreduktionen nicht beschleunigt werden.

Balkendiagramm zeigt CO2-Emissionen in 1000 Tonnen für 1,5 °C, 1,7 °C, 2,0 °C und Berichtete plus prognostizierte Werte mit farblich unterschiedlichen Balken.
Auszug aus dem Climate Action Navigator: Hamburgs Anteil an den globalen CO₂-Emissionen, der mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel wäre oder eine Erwärmung von 1,7 °C bzw. 2,0 °C zur Folge hätte, im Vergleich zu den gemeldeten und prognostizierten Emissionen.

Der graue Balken in der Abbildung oben zeigt die gemeldeten und prognostizierten Emissionen der Hamburgs unter der Annahme, dass die Stadt ab sofort einen linearen Emissionsreduktionspfad einschlägt, um im Jahr 2040 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die gemeldeten Emissionen sind in Dunkelgrau dargestellt, die prognostizierten Emissionen in Hellgrau. Es ist klar zu sehen, dass Hamburg sein CO₂-Budget für das 1,7-Grad-Ziel bereits nahezu aufgebraucht hat und voraussichtlich das Budget für das 2-Grad-Ziel überschreiten wird, falls keine zusätzlichen Maßnahmen zur Emissionsreduktion ergriffen werden.

Auf dem Climate Action Navigator kann man zudem die verbleibenden CO₂-Budgets für mehrere weitere deutsche Städte (Berlin, Bonn, Heidelberg und Karlsruhe) visualisieren, wobei die Ergebnisse oft ähnlich ausfallen. Alle diese Städte haben ihr Budget für das 1,5-Grad-Ziel oder das 1,7-Grad-Ziel bereits überschritten oder werden dies voraussichtlich bald tun. Selbst die Einhaltung des 2-Grad-Ziels erfordert eine beschleunigte Minderung der Emissionen.

Farbige Karten von fünf deutschen Städten mit Beschriftungen und einer Farbskala rechts, die den verbleibenden CO2-Budget pro Kopf in Tonnen zeigt.
Verbleibendes CO₂-Budget pro Kopf im Jahr 2026, um das 2,0-°C-Ziel einzuhalten

Wie geht es weiter?

Deutschland hat seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu ihrem historischen Höchststand im Jahr 1979 bereits um die Hälfte reduziert. Alle analysierten Städte haben die Emissionen seit 1990 deutlich gesenkt. Diese Erfolge sind das Ergebnis technologischer Fortschritte, politischer Maßnahmen und gesellschaftlicher Veränderungen.

Gleichzeitig nähern sich die meisten Städte dem Verbrauch ihrer verbleibenden CO₂-Budgets nähern. Dies zeigt, dass schnelleres und stärkeres Handeln dringend erforderlich ist. Um die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten, müssen die Emissionsreduktionen fortgesetzt und in vielen Fällen beschleunigt werden.

Die bereits erreichten Emissionsreduktionen belegen, dass ein grundlegender Wandel möglich ist. Die Aufgabe besteht nun darin, auf diesem Fortschritt aufzubauen und sicherzustellen, dass zukünftige Emissionstrends mit dem verbleibenden CO₂-Budget übereinstimmen.

Der Climate Action Navigator bietet eine datenbasierte Grundlage, um das Potenzial für Emissionsreduktionen zu identifizieren. Durch die Quantifizierung verbleibender CO₂-Budgets und die Visualisierung von Emissionspfaden unterstützt er eine transparente Bewertung und informierte Entscheidungsfindung.