ENAPIM-Training zu Bedarfsanalyse, Planung und Informationsmanagement im Notfall für die baltischen Rotkreuz-Gesellschaften und den Bevölkerungsschutz

Ende August hat unser Kollege die technische Konzeption der Schulung zum Thema „Emergency Needs Assessment Planning and Information Management (ENAPIM)“ für die baltischen Rotkreuzgesellschaften und den Zivilschutz unterstützt und den viertägigen Kurs mitmoderiert. Für uns war es der erste Einsatz im europäischen Bevölkerungsschutz, und er hat gezeigt, dass sich die von uns entwickelten Open-Source-Werkzeuge und unsere Erfahrung aus Trainings mit humanitären Organisationen auf dieses Feld übertragen lassen.

Bevölkerungsschutz umfasst die Strukturen, die staatliche Stellen vorhalten, um sich auf Katastrophen und andere Notlagen vorzubereiten und auf sie zu reagieren, von Hochwasser und Waldbränden bis hin zu Angriffen auf kritische Infrastruktur. Innerhalb der Europäischen Union arbeiten die nationalen Systeme im Katastrophenschutzverfahren der Union zusammen, und die Europäische Kommission unterstützt die gemeinsame Vorsorge über ihre Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (DG ECHO). In einer Krise arbeiten Behörden des Bevölkerungsschutzes und nationale Rotkreuz-Gesellschaften Seite an Seite. Gemeinsame Verfahren für Bedarfsanalyse und Informationsmanagement sind deshalb für beide Seiten von Wert.

Das Training ist Teil des Projekts Baltic Civil Defence Cooperation for Complex Emergencies, das von DG ECHO finanziert und von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), dem Deutschen Roten Kreuz und dem Französischen Roten Kreuz fachlich unterstützt wird. Die Teilnehmenden kamen vom Estnischen, Lettischen und Litauischen Roten Kreuz sowie von Bevölkerungsschutzbehörden der drei Länder.

Hand mit mehreren gelben Haftnotizen auf den Fingern, im Hintergrund unscharfe Person und Wand mit Zetteln
© Die Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Hussam Saeid

Überblick über das Training

Die Teilnehmenden arbeiteten in vier Gruppen, die hinsichtlich Geschlecht, Ländern und Institutionen ausgewogen zusammengesetzt waren, damit Erfahrungen zwischen den Kontexten weitergegeben werden konnten. Der erste Tag führte in die Kernkonzepte von Bedarfsanalyse und Planung im Notfall, Informationsmanagement sowie Protection, Gender and Inclusion ein.

Am zweiten Tag ging es um die ersten Schritte des Analyseprozesses, anhand eines fiktiven Szenariolandes namens Takara, das von einem hybriden Angriff betroffen ist. Die Gruppen bestimmten ihren Informationsbedarf, also das, was sie bereits wussten, und das, was sie noch herausfinden mussten, um eine Entscheidung über die Reaktion vorzubereiten. Anschließend entwarfen sie eine Erhebung, die innerhalb kurzer Zeit die entscheidenden Informationen liefern konnte, und einigten sich auf Indikatoren, Datenquellen und Methoden, bevor sie mit der Datenerhebung begannen.

Am dritten Tag überführten die Gruppen die Rohinformationen zu Takara in eine Analyse, mit der Entscheidungstragende arbeiten können, und stellten einander ihre Ergebnisse vor. Danach ordneten sie sich nach Ländern neu und erfassten, welche Werkzeuge in ihrer eigenen Arbeit vorhanden sind, welche fehlen und welche benötigt werden.

Der letzte Tag begann mit einer vollständigen Simulationsübung. Vier Erhebungsteams teilten sich ihre Zeit ein, verarbeiteten ihre Daten und erstellten unter Zeitdruck eine Lageanalyse. Am Nachmittag berichtete jedes Team einem Gremium, das eine Sonderberatung für Krisenreaktion im Amt der Regierungsspitze, eine Ansprechperson für Gesundheit und eine stellvertretende Leitung des Krisenmanagements für den Bereich Unterbringung darstellte. Die Berichte folgten der Struktur Bottom Line Up Front, bei der die Kernaussage am Anfang steht, und jedes Teammitglied stellte einen Teil der Analyse vor.

Was wir anbieten können

Vieles von dem, was wir im Bevölkerungsschutz anbieten können, tun wir bereits in der antizipierenden humanitären Hilfe, bei der Hilfsmaßnahmen beginnen, bevor die Gefahr eintritt. Die Gefahr ändert sich, die Fragen bleiben die gleichen, und es sind Fragen nach Netzwerken, Zugang und Logistik. Welche Knotenpunkte am kritischsten oder verwundbarsten sind, wie gut Lager für Hilfsgüter erreicht und von dort aus beliefert werden können und wie Evakuierungsrouten geplant werden können, lässt sich mit denselben Werkzeugen und Technologien beantworten:

  • Geodatenunterstützung für Bedarfsanalysen im Notfall, einschließlich Basis- und Sekundärdaten zu Bevölkerung, Infrastruktur und Standorten von Einrichtungen, abgeleitet aus OpenStreetMap und anderen offenen Quellen.
  • openrouteservice, die Open-Source-Routing-Engine, die wir entwickeln und betreiben. Sie berechnet Routen von A nach B und darüber hinaus Erreichbarkeitsgebiete, Distanzmatrizen zwischen vielen Standorten und optimierte Einsatzpläne für Fahrzeugflotten, was Logistik und Entscheidungsfindung während eines Einsatzes unterstützt. Eigene Instanzen lassen sich für Notfallrouting konfigurieren und auf der Infrastruktur einer Organisation selbst betreiben.
  • GIS-Trainings für humanitäre Organisationen, angepasst an das technische Niveau der Teilnehmenden und ihren Datenbedarf. Wir haben GIS-Trainings für Beschäftigte im Gesundheitswesen durchgeführt sowie mehrere Trainings im Rahmen unseres Projekts zur antizipierenden humanitären Hilfe für nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.
  • Unterstützung für Partnerorganisationen bei der Anpassung von Routing-Profilen an die Fahrzeugtypen und Zugangsbeschränkungen ihres Einsatzgebiets.
  • Erreichbarkeitsanalyse, die untersucht, wie gut Menschen unter gegebenen Bedingungen Einrichtungen wie Gesundheitseinrichtungen, Notunterkünfte oder Verteilstellen erreichen können.

Zusammenarbeit

Wir möchten weitere Erfahrung im Bevölkerungsschutz sammeln, herausfinden, welchen Datenbedarf Fachkräfte in diesem Feld haben, und herausfinden, welche Werkzeuge sie bereits nutzen und welche ihnen fehlen. Wie in anderen Feldern orientiert sich unsere Arbeit an den humanitären Grundsätzen der Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit.

Für Bevölkerungsschutzbehörden und humanitäre Organisationen, die Trainings oder Werkzeugentwicklung dieser Art planen, stehen wir zur Verfügung. Schreiben Sie uns an humanitarian_gi(at)heigit.org.